Freitag, 14. Juni 2013

Mordaufrufe gegen gbs-Beirat Hamed Abdel-Samad

Nach den Mordaufrufen gegen Hamed Abdel-Samad ist einiges geschehen. Zunächst einmal aber nichts, und inzwischen immer noch zu wenig. Die gbs reagierte als erste mit einer Pressemitteilung am 9.6. darauf, dass ägyptische Islamisten einige Tage zuvor über Facebook und Fernsehen zur Ermordung von gbs-Beirat Hamed Abdel-Samad aufgerufen haben. Sie forderte darin auch die Bundesregierung, insbesondere Bundeskanzlerin Merkel und Bundesaußenminister Westerwelle, auf, den ägyptischen Staatspräsidenten „mit Nachdruck dazu zu bewegen, den Mordaufrufen in aller gebotenen Deutlichkeit entgegenzutreten“.

Die Pressemitteilung wird in Nachträgen um eine Chronik der Ereignisse ergänzt.

Zunächst reagierte nur der Spiegel, und bringt ein Interview mit Hamed Abdel-Samad. Erst zwei Tage später, am 11.6., reagiert die übrige Presse. Die Süddeutsche Zeitung kann dabei direkt von der Reaktion der Bundesregierung berichten. Deren Menschenrechtsbeauftragter hatte die Vorgänge verurteilt. Eine Strafanzeige gegen die Mordaufrufer wurde jedoch von offiziellen Stellen nicht gestellt, weder von deutscher noch von ägyptischer Seite.

Die Mordaufrufe sind ein großer Skandal, aber das Skandalöseste daran ist, dass sie nicht als Skandal wahrgenommen und behandelt werden. Hier wird ein deutscher Staatsbürger unter Duldung der ägyptischen Regierung die Ermordung angedroht, aber es gibt keine Breaking News auf allen Kanälen, keinen Brennpunkt nach der Tagesschau, keine Androhung des Abbruchs aller diplomatischen Beziehungen zur ägyptischen Regierung, falls diese nicht unverzüglich Strafanzeige stellen sollte. Alles, was geschieht, ist zunächst einmal nichts, und einige Tage später eine wachsweiche Empörung einer subalternen Stelle der Regierung. Nachdem (!) die Regierung reagiert hat, hält es auch der Großteil der Presse für angemessen, zögerlich die Nachricht zu bringen. Wir von der gbs sind in diesem Fall sogar dem „Christlichen Medienmagazin“ Idea dankbar, das bereits am 10.6. eine Meldung brachte.

Die Taz beauftragte einen studierten Islamwissenschaftler mit der Kommentierung. Er schrieb Folgendes: „In Deutschland gehört Abdel-Samad zur Riege jener „Islam-Kritiker“, die ihre Herkunftskultur mit dem vermeintlich authentischen Blick des angeblichen Insiders kritisieren. In seinem letzten Buch prophezeite er vollmundig gar den „Untergang der islamischen Welt“. Es gibt nicht wenige, die ihn deshalb für einen Wichtigtuer und Selbstdarsteller halten.“ Worüber also regen wir uns auf, wenn Islamisten damit drohen, einen „Wichtigtuer und Selbstdarsteller“ umzubringen?!

Inzwischen hat auch Außenminister Westerwelle seine "Besorgnis" zum Ausdruck gebracht. Hamed Abdel-Samad hingegen ist „bedrückt, dass weder die ägyptische noch die deutsche Regierung bis jetzt juristische Schritte gegen diese Hetzer eingeleitet haben. Hier endet für mich die Diplomatie!“

Zweierlei zeigt diese Affäre sehr deutlich: Wenn Mordaufrufe gegen politisch-religiöse Gegner tatsächlich Mittel der Politik in einem islamistischen Staat sind, dann bestätigt dies wohl Hamed Abdel-Samad in seiner These, dass der Islamismus ein religiöser Faschismus ist. Und eine deutsche Bundesregierung und eine deutsche Presse, die derart lethargisch auf einen solchen Mordaufruf reagieren, haben sich offenbar mit diesem religiösen Faschismus abgefunden.

von Harald Stücker

1 Kommentar:

  1. "Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben." Andre Gide

    Der Blog und der Artikel gefallen mir. Zum Thema Glauben habe ich eine eigene Ausstellung in der Freidenker Galerie. Hier findet ihr viele Zitate und Bilder von mir zum Thema Glauben. Über euren Besuch würde ich mich freuen. http://www.freidenker-galerie.de/acrylbilder-lustige-zitate-politik-und-religion-2/

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