Freitag, 6. Juli 2012

Kölner Beschneidungsurteil ist moralischer Meilenstein – Säkulare Verbände sehen Kinderrechte gestärkt

Die mittelfränkische Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung und der Humanistische Verband Deutschlands – Bayern begrüßen das Urteil des Landgerichtes Köln zur Beschneidung nicht einwilligungsfähiger Kinder ohne medizinische Indikation. Dieses Urteil kann wohl ohne Übertreibung als historisch bezeichnet werden. Die Richter haben hier einen moralischen Meilenstein gesetzt. Für diesen Mut verdienen sie unseren Dank und unseren Respekt.

Es wurde Zeit, dass die Beschneidung juristisch als das anerkannt wird, was sie ist: ein strafbarer Eingriff in die körperliche Unversehrtheit nicht-einwilligungsfähiger Kinder. Es ist dabei irrelevant, ob diese Eingriffe aus religiösen oder anderen ideologischen Gründen durchgeführt werden. Das Urteil stärkt das Recht der Kinder auf Schutz vor religiösen Übergriffen. Wer nun, wie Volker Beck von den Grünen, eine Stärkung der Religionsfreiheit der muslimischen und jüdischen Glaubensgemeinschaften fordert, versteht das Grundrecht der Religionsfreiheit falsch: Ein Grundrecht dient immer dem Schutz des Individuums vor einer Gruppe. Insofern stehen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und das Grundrecht auf Religionsfreiheit gar nicht im Widerspruch zueinander, wie es von Religion und Politik immer wieder behauptet wird. Beide Grundrechte stehen auf Seiten der Kinder, und es wäre Aufgabe der Politik, sie zu schützen. Stattdessen aber scheinen die politischen Bemühungen alle darauf hinauszulaufen, einen überkommenen religiösen Brauch vor den Grundrechten ins Weltkulturerbe zu retten.

Bei der im Urteil entschiedenen Frage geht es nicht um Religionsfeindlichkeit oder mangelnden Respekt vor religiösen Überzeugungen. Vielmehr geht es um die Rechte der Kinder. Religiöse oder sonstige Aufnahmerituale dürfen ihre verbrieften Grundrechte nicht verletzen. HVD Bayern und GBS Mittelfranken stimmen deshalb ausdrücklich den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages zu, die in ihrer Stellungnahme „Beschneidung und Strafrecht“ schreiben:
„Von Vertretern der herrschenden Meinung im Strafrechtsschrifttum wird unterdessen unter Verweis auf entsprechende Praktiken in Großbritannien dafür geworben, das religiös geforderte frühkindliche Ritual der Beschneidung ins Schmerzlos-Symbolische zu verschieben und die Entscheidung über den tatsächlichen Eingriff dem Betroffenen selbst zu überlassen, wenn er als Jugendlicher selbst einwilligungsfähig ist.“

Kinder sind grundsätzlich vor einseitiger religiöser Beeinflussung bis zum Erreichen der Religionsmündigkeit mit der Vollendung des 14. Lebensjahres zu schützen. Bis dahin können sich Kinder ein Bild der verschiedenen Religionen und Weltanschauungen machen, um sich selbstbestimmt für oder gegen eine Mitgliedschaft sowie für oder gegen die Teilnahme an entsprechenden Aufnahmeritualen zu entscheiden.

Giordano Bruno Stiftung - Regionalgruppe Mittelfranken

Die Giordano Bruno Stiftung sammelt neuste Erkenntnisse der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, um ihre Bedeutung für das humanistische Anliegen eines „friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens der Menschen im Diesseits“ herauszuarbeiten. Ziel der Stiftung ist es, die Grundzüge eines naturalistischen Weltbildes sowie einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik zu entwickeln und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die inhaltlichen Arbeitsfelder der Stiftung sind:
  1. Evolutionärer Humanismus/naturalistisches Weltbild
  2. Religionskritik/Säkularismus
  3. Erkenntnistheorie/Wissenschaftstheorie
  4. Ethik
Diese Themenbereiche sind eng miteinander verknüpft. So führen beispielsweise die neusten Erkenntnisse der Neurowissenschaften nicht nur zu einer Stärkung des naturalistischen Weltbildes (Arbeitsfeld 1), sondern liefern auch Argumente für eine interdisziplinäre, d.h. auch naturwissenschaftlich fundierte Religionskritik (Arbeitsfeld 2). Die Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und ihre religionskritischen Implikationen müssen allerdings wissenschaftstheoretisch reflektiert (Arbeitsfeld 3) und mögliche Konsequenzen auf dem Gebiet der praktischen Ethik bedacht werden (Arbeitsfeld 4).

Die formalen Aufgabengebiete der Stiftung:
  1. Theoretische Arbeit, die über ein interdisziplinäres Netzwerk von Experten verschiedener Profession fördert und entwickelt.
  2. Vermittlung der gewonnenen Erkenntnisse an die Öffentlichkeit durch Pressemitteilungen, die Giordano Bruno Akademie und Auftritte unserer Mitglieder und Förderer in der Öffentlichkeit
  3. Förderung von Forschungs- und Praxisinitiativen, die den Zielsetzungen der Stiftung entsprechen (Deschner-Preis, Projektförderung und -entwicklung)
Zur inhaltlichen Ausrichtung der Stiftung, lesen Sie bitte auch das im Auftrag der GBS geschriebene "Manifest des Evolutionären Humanismus". siehe www.leitkultur-humanismus.de