Wer wir sind und was wir wollen

Montag, 5. März 2012

Interview mit Ralf König

Im Anschluss an unsere Veranstaltung "Gottes Werk und Königs Beitrag" vom 7. Februar hatten wir die Möglichkeit ein ausführliches Interview mit Ralf König zu führen. Ralf König gibt dabei tiefe Einblicke in seine Arbeit, sein Leben und seine Erfahrungen mit Religion und Kirche. Viel Spaß  beim Zuhören!

Das Interview wurde geführt von Claus Gebert.

Samstag, 28. Januar 2012

März-Stammtisch

Wir treffen uns jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr im Teehaus, im Sommer auch in Nürnberg. Das nächste Mitgliedertreffen findet am Montag, dem 05.03.2012 ab 19 Uhr im "Teehaus" Friedrichstraße 14 91054 Erlangen statt.

Veranstaltungshinweis für unsere Partnerorganisation "Bund für Geistesfreiheit"

Mo, 27.02.2012 19.00 Uhr, Frankenhof Erlangen (Südl.-Stadtmauerstr. 35) Raum 20 (der Eintritt ist frei) Vortrag von Professor Dr. Theodor Ebert: Der Tod des Rene Descartes - ein Giftmord? 


Di, 06.03.2012 19.00 Uhr, Frankenhof Erlangen, Großer Saal (Südl.-Stadtmauerstr. 35), Eintritt frei Solo für den Teufel (Kurt Raster/Sigrid Grün) - Ein religionskritisches Kabarett-Stückchen (ueTheater Regensburg) 

Humanistisch Fernsehen

Es werde Licht | Die erste und einzige säkular-humanistische Fernsehsendung im deutschsprachigen Raum -> http://www.eswerdelicht.tv/


Mittwoch, 4. Januar 2012

Comiclesung mit Ralf König

Am 7. Februar 2012 wird um 20.00 Uhr im Fabersaal des Gewerbemuseums auf Einladung des hvd Nürnberg und der Mittelfranken-Gruppe der Giordano-Bruno-Stiftung Ralf König lesen: "Gottes Werk und Königs Beitrag".


Wer sich mal einen Eindruck verschaffen will, hier ist die Lesung von "Götterspeise" (es geht um die Abrahamgeschichte):

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Vom Hoerster zum Paulus



Die Piusbrüder, kath.net, das Bistum Regensburg etc. bejubeln dieser Tage den Abfall des bislang religionskritischen Philosophen Norbert Hoerster vom Unglauben, zumindest seinen Austritt aus der Giordano Bruno Stiftung. Sie feiern die Neuauflage der Geschichte der Bekehrung des Saulus zum Paulus, der von den Gründen seiner Bekehrung in der FAZ Zeugnis ablegt. Nein, er bezweifelt nicht die Evolutionstheorie. Er bezweifelt bloß, dass sie den Gottesglauben widerlege. Und nein, er hat nicht den Primat des Papstes in Fragen der Philosophie und Politik anerkannt. Er meint bloß, man müsse Kritik am Papst zunächst philosophisch abwägen und gewissenhaft durchdenken. (Der Papst bedankt sich damit, dass er Atheisten - wie Hoerster - für den Holocaust und so gut wie alle anderen Verbrechen und Übel der Welt verantwortlich macht.)
Norbert Hoerster
Norbert Hoerster hat einige inspirierende Bücher geschrieben. Sein philosophischer Stil ist kurz, prägnant, analytisch. Sein dünner Band Abtreibung im säkularen Staat erschien mir immer schon als das Werk, das den gesamten Problembereich abschließt. Er zeigt darin, dass alle Gründe für ein Abtreibungsverbot entweder explizit oder implizit religiöse Gründe sind. Diese Gründe sind aber für einen säkularen Staat irrelevant.
Wenn der Philosoph zum Marktplatz geht, kann er übers Ohr gehauen werden. Weisheit schützt vor Ganoven nicht. Es ist schön, dass Hoerster seine Argumente glasklar formulieren kann, und es ist auch schön, wenn er andere Argumente kritisiert. Das gehört sich so in philosophischen Debatten. Wenn die Debatte aber nach außen auf den politischen Marktplatz wirkt (und ja, die FAZ ist schon Marktplatz), dann hört sie auf, philosophisch zu sein, dann wird sie politisch.
In der Politik wird selten mit dem Skalpell analysiert, stattdessen öfter mit dem Vorschlaghammer. (Erinnert sich noch jemand an den „Professor aus Heidelberg“?) Und wirklich gute, auch geniale Argumentationen, werden nur danach beurteilt, ob sie im politischen Kampf als Keule taugen. Dem Keulenschwinger ist der Name des genialen Philosophen dabei egal, und auch, ob er die Keule überhaupt schwingen darf. Denn schauen wir, was hier passiert: Argumente von Norbert Hoerster, einem guten - atheistischen - Philosophen, gelangen in die Hände von Leuten, die normalerweise den Hinweis auf eine Bibelstelle für ein echtes, schlagendes Argument halten. Dem Piusbruder sind die Feinheiten der Hoersterschen Gedankengänge ganz egal, er sieht nur, dass sie ein Instrument für einen Schlag gegen seinen politischen Gegner darstellen. Ein aggressiver Schimpanse greift zur Keule, aber wenn stattdessen gerade ein modernes Teleskop herumliegt, kann er auch damit zuschlagen.
Manfred Lütz wirft dem „Neuen Atheismus“ vor, zu seicht zu sein. Oh, sagte ich Lütz? Nein, es ist Hoerster, tatsächlich. Hume habe lang und breit über das Theodizeeproblem sinniert, Dawkins widme diesem Problem gerade mal eine halbe Seite. Aber zunächst: Wenn Hume schon „mit großer Klarheit die kaum lösbaren Herausforderungen [aufgezeigt hat,] denen der Theist durch das […] sogenannte Theodizeeproblem ausgesetzt ist“, warum sollte Dawkins noch mal dasselbe tun? Und zum anderen macht Dawkins auf dieser halben Seite sehr deutlich, dass dieses Problem eines für Theologen und Gläubige an einen guten Gott ist, keines für Atheisten. Das Theodizee-Problem stellt sich nur für Schöpfungen lieber Götter. Warum soll es also - als theoretisches Problem - jemanden kümmern, der nicht davon ausgeht, dass es sich bei der Welt um eine Schöpfung handelt? Unter evolutionstheoretischem Aspekt gibt es kein Theodizee-Problem. Es wirkt etwas unverschämt, Richard Dawkins vorzuwerfen, er kümmere sich nicht ausreichend um theologische Probleme. Religiöse (und jetzt auch Hoerster) können sich wohl nur schwer vorstellen, dass jemand ihre Probleme nicht hat. Es ist keine Neuigkeit, dass Liebe-Gott-Theorien an der Theodizee-Hürde scheitern, aber als Zombie-Mem lässt es sich ja offensichtlich auch sehr zäh und gut überleben.
Die Evolutionstheorie widerlege nicht den Gottesglauben. Mag sein, aber wer behauptet das eigentlich? Dawkins weist lediglich darauf hin, dass die Evolutionstheorie die Gotteshypothese (wieder mal) ein Stück unnötiger gemacht hat. Stimmt das etwa nicht?
Mackie: Wunder des Theismus
Man müsse sich fundierter mit der Religionsphilosophie auseinandersetzen, mahnt Hoerster. Warum? Neben mir liegt gerade ein Büchlein von Norbert Hoerster mit dem Titel Die Frage nach Gott, es umfasst 124 Seiten und behandelt die Frage nach Gott ziemlich umfassend. Wer etwas tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem sei noch das Standardwerk von John Leslie Mackie Das Wunder des Theismus empfohlen. Wer die Frage danach immer noch für weiter vertiefenswert hält, der sollte Theologie studieren.
Eben noch habe ich Hoersters Werk Abtreibung im säkularen Staat gelobt, weil es die hereinbrechende Flut theologisch begründeter Abtreibungsverbote mit dem Hinweis auf ihre Irrelevanz für einen säkularen Staat elegant zurückweist. Bricht die Flut jetzt doch über uns herein? Müssen wir uns jetzt doch mit diesen für uns irrelevanten Begründungen auseinandersetzen? Warum?
Die Kritik Hoersters an der Papstkritik der gbs mutet an wie ein theologischer Sophismus:
Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es bekanntlich: "Der Geschlechtsakt darf ausschließlich in der Ehe stattfinden"; und dies ist auch die Position des Papstes. Ich wüsste nicht, zu welchen Abermillionen Todesfolgen der eheliche Geschlechtsverkehr ohne Verhütungsmittel bislang geführt hat.
Hier kommt eben doch wieder die (von den Katholiken und jetzt auch von Hoerster) so verpönte Biologie ins Spiel. Der Mensch ist keine monogame Spezies, er ist eine Primatenart mit einer leicht polygamen Lebensweise. (Wichtigstes Indiz dafür ist die durchschnittliche Hodengröße.) Daran ändern weder "Die Kritik der reinen Vernunft" noch "Tristan und Isolde" etwas.
Die katholische Phantasie bildet die Realität also nicht ab, versteht sich aber als realistische Beschreibung der menschlichen Natur. Das ist Wunschdenken auf niedrigem Niveau, mit katastrophalen Auswirkungen auf hohem Niveau. Die katholische Phantasmagorie steht auf einer Stufe mit dem Lyssenkoismus. Die Verleugnung von Tatsachen verursacht in der Tat den Tod von Abermillionen Menschen.
Desweiteren: "Der Vatikan ist ein Schurkenstaat" bedürfe einer Begründung. (Und nein, Hoerster macht sich nicht über die Bezeichnung „Staat“ für dieses rechtlich bizarre Gebilde lustig, er bestreitet tatsächlich die Legitimität der näheren Bestimmung „Schurke“.) Nun, solche Begründungen liegen inzwischen in Form zahlreicher Anklageschriften vor. Der Vatikan opfert nachweislich die Sicherheit und das Wohlergehen von Kindern dem, was wir bei echten Staaten „Staatsräson“ nennen.


Volker Sommer (links), Max (rechts)
Große Vorbehalte hat Hoerster gegen das „Great Ape Project“ der gbs, das Grundrechte für Menschenaffen fordert. Er schreibt, „Affen und andere Wirbeltiere haben nun einmal nicht das typisch menschliche, in die Zukunft gerichtete Überlebensinteresse.“ Menschen, die sich intensiv mit Menschenaffen beschäftigen, kommen zu ganz anderen Ergebnissen. Aber zumindest würde Hoerster wohl zugeben, dass es sich hier um eine empirische Frage handelt. Für den religiösen Speziesisten, der ihm hier frenetisch applaudiert, ist der Mensch ganz einfach von Gottes Gnaden und ohne jede Empirie etwas Besseres. Interessanterweise argumentiert gerade Hoerster in seinem Buch über die Abtreibung für die „Unhaltbarkeit des Speziesismus“ und begründet diese nicht zuletzt mit der Parallele zum Rassismus. Im Lichte seines nun vorliegenden Artikels frage ich mich, ob sich daran etwas geändert hat.
In seiner Kritik an Michael Schmidt-Salomon polemisiert Hoerster auch gegen dessen Verwendung des Begriffs „nachäffen“. Schmidt-Salomon wendet diesen Begriff allerdings dadurch, dass er ihn auf Menschen bezieht, ironisch und adelt ihn geradezu. Hoerster aber ist darauf bedacht, ihn ganz unironisch in seiner negativen Bedeutung zu belassen. Er müsste es besser wissen. Die Fähigkeit zur Nachahmung ist tatsächlich zentral für die Ausbildung vieler natürlicher und all unserer kulturellen Leistungen.
Eines muss aber auch Hoerster klar sein: Mit der Wiederbelebung des „Great Ape Project“ greift die gbs die naive und arrogante Vorstellung einer Sonderstellung des Menschen im Kosmos an. Es ist von daher das radikalste religionskritische Projekt überhaupt. Verbalattacken gegen den Papst sind dagegen eine Petitesse.
An dieser Stelle steigt Hoerster aus der gbs aus. Auch aus der Religionskritik?
Mag sein, dass der Mensch tatsächlich eine Sonderstellung einnimmt. Aber bislang ist er durch seine überragenden geistigen Fähigkeiten einfach nur der Stärkere. Eine wirklich moralische Überlegenheit kann er erst dann für sich beanspruchen, wenn er die Verantwortung ernst nimmt, die ihm durch seine Machtfülle zukommt. Dazu gehört auch eine philosophisch genaue und klare Analyse der Rechte und Pflichten anderen Spezies gegenüber. Dabei kann Norbert Hoerster helfen. Auch außerhalb der gbs.
Harald Stücker, Evidenz-basierte Ansichten

Dienstag, 15. November 2011

Beim Sterben helfen darf jeder, nur kein Arzt

Foto: DGHS

„Damit auch das Lebensende menschlich bleibt“, so lautete der Titel eines Vortrags von Elke Baezner, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), den sie auf Einladung des Bundes für Geistesfreiheit (BfG) Erlangen am 9.11.2011 gehalten hat. Die DGHS wurde 1980 aus dem Umfeld des BfG Bayern heraus gegründet.

„Wir haben geholfen!“ Eine solche Kampagne würde sich die DGHS in einer großen Zeitschrift wünschen, ganz analog der legendären Kampagne „Wir haben abgetrieben!“ im Stern 1971. Es sollten sich möglichst viele Ärzte öffentlich dazu bekennen, dass sie Menschen beim Sterben geholfen haben. Eine solche Kampagne würde helfen, die unwürdige Doppelmoral zu beenden, in der wir Erst-Später-Sterbenden es uns bequem gemacht haben. Sie würde das Bewusstsein dafür schärfen, dass ein selbstbestimmtes Sterben in Deutschland oft nur sehr schwer möglich ist. Ebenso wie im Falle der Abtreibung brauchen wir eine umfassende gesetzliche Regelung, um Leid zu verringern, das allererst durch die Verdrängung und Tabuisierung des Themas entsteht.

Es gilt auch, einem grotesken Sterbetourismus in unsere Nachbarländer ein Ende zu bereiten; Länder wie die Niederlande oder die Schweiz, die sich der Aufgabe schon gestellt haben, eine gesetzliche Lösung zu finden. Ein Tourismus übrigens, der noch unzumutbarer, noch entwürdigender und für uns alle noch beschämender ist als der Abtreibungstourismus.

Eine solche gesetzliche Regelung müsste gleichzeitig den vielbeschworenen Missbrauch eines Rechts auf selbstbestimmten Tod effektiv verhindern helfen. Wer das Argument der schiefen Bahn bemüht, wird zugeben müssen, dass eine solche Bahn in einer rechtlichen Grauzone nicht flacher ist.

Frau Baezner betonte, wie wichtig eine detaillierte Patientenverfügung sei. Das Instrument der Patientenverfügung wurde von der DGHS, unter Beteiligung des Bundes für Geistesfreiheit, maßgeblich entwickelt. Formulare für eine Patientenverfügung können auf der Webseite der DGHS heruntergeladen werden (www.dghs.de). Neuerdings bietet die DGHS auch einen Notfallausweis im Scheckkartenformat an. Die Patientenverfügung ist dabei online hinterlegt und kann im Notfall über diesen Notfallausweis vom medizinischen Personal abgerufen werden. Es empfiehlt sich, diesen Ausweis zusammen mit der Krankenversicherungskarte – und eventuell dem Organspendeausweis – bei sich zu tragen.

Es komme zwar immer wieder vor, dass Ärzte eine solche Patientenverfügung ignorieren oder mit den Worten „Das geht mich nichts an“ abtun, aber man sollte wissen, dass sie sich damit strafbar machen. Da Menschen, die im Sterben liegen, sich im Allgemeinen gegen eine solche kriminelle Arroganz nicht wehren können, komme es ganz entscheidend auf den Bevollmächtigten an, der eine solche Patientenverfügung im Ernstfall durchsetzen muss.

Gerade erst hat der Deutsche Ärztetag den Ärzten in Deutschland verboten, Hilfe zum Freitod zu leisten, entgegen geltendem Recht, denn eine solche passive Sterbehilfe ist durchaus erlaubt, weil nämlich Selbsttötung keine Straftat ist und darum auch die Beihilfe dazu nicht. Somit haben wir die absurde Situation, dass jeder beim Sterben helfen darf, es sei denn, es handelt sich um einen Arzt.

Ein Zuhörer, selbst Arzt, wies auf die traurige Tatsache hin, dass es wie immer in der Politik nicht die Besten seien, die ihre Zeit in Gremien verbringen. Die Besten würden in den Krankenhäusern hart arbeiten und alles Menschenmögliche tun. Frau Baezner antwortete, dass das unbenommen sei, aber solange die Funktionäre eben nicht die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen würden, solange sei das Menschenmögliche und Menschenwürdige unter Umständen strafbewehrt. Humanes Sterben sollte aber nicht im Verborgenen stattfinden müssen.

Auf die auch moralphilosophisch interessante Frage, warum sich die DGHS nicht auch für die aktive Sterbehilfe einsetze, die ja für viele Menschen die einzige Möglichkeit für einen menschenwürdigen und schmerzfreien Tod darstellt, warum sie sich also in ihren Forderungen auf die passive bis hin zur indirekten aktiven Sterbehilfe beschränke, antwortete Frau Baezner, dass auch sie hier einen Dammbruch befürchte. Sie befürworte daher ein generelles Verbot, plädiere aber für Straffreiheit in begründeten Ausnahmefällen.

Es scheint trivial, aber dennoch nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, dass dieses Thema uns alle angeht, denn wir sind alle Sterbende. Der an Krebs erkrankte Christopher Hitchens wurde einmal in einer Diskussionsrunde gefragt, wie es ihm gehe. „Oh, danke, ich sterbe gerade“, gab er zur Antwort, „aber … Sie auch.“

Harald Stücker

Donnerstag, 8. September 2011

Glaubensdiskriminierung in Bayern?

Was tut ein Bürger, wenn sein Personalausweis in wenigen Wochen abläuft? Richtig: Er geht ins Rathaus und beantragt einen neuen Ausweis. Das sagt ihm das "Gesetz über Personalausweise und den elektronischen Identitätsnachweis - PAuswG"
Vorher muss der Bürger allerdings zum Fotografen, und ein neues biometrisches Passbild anfertigen lassen. "Kein Problem", denkt sich ein strenggläubiger Pastafari von der Kirche des Fliegendes Spaghettimonster (FSM) Deutschland, Frank Heinze aus Erlangen,

" Ich brauche ´eh neue Bilder. Habe mir doch gerade einen wunderschönen neuen Piratenhut gekauft. SEINER Nudeligkeit zu Ehren." Also Piratenhut aufgesetzt und ab zum Fotografen. Die Fotografin schaut auf die offizielle Fotomustertafel, dort liest sie: "Kopfbedeckungen sind grundsätzlich nicht erlaubt. Ausnahmen sind insbesondere aus religiösen Gründen zulässig. In diesem Fall gilt: Das Gesicht muss von der unteren Kinnkante bis zur Stirn erkennbar sein. Es dürfen keine Schatten auf dem Gesicht entstehen."

Pastafari Heinze, der in der Gemeinde auch als "Bruder al dente" bekannt ist, muss sich also wegen der Verschattung noch die Krempe des Piratendreispitz aus der Stirn schieben. Sieht nun zwar scheisse aus, no worrys, schliesslich ist SEINE Nudeligkeit aber auch nicht so eitel. Steht ja schon im ersten Gebot. Nach einer Stunde hält Bruder al dente die wirklich schön gewordenen Passbilder in den Händen.
"Auf ins Rathaus! ARRRHH!", so seine Huldigung an die Pflichten des in wenigen Tagen stattfindenden Festtages „Sprich-wie-ein-Pirat-Tag“.

Unterwegs traf er noch einen säkularen Glaubensfreund, der gerade nichts weiter vorhatte und ihn zum Amtsgang begleitete.

Im Bürgeramt war er nach kaum zehn Minuten Wartezeit an der Reihe, nahm Platz vor dem Sachbearbeiter und unterbreitete seine Wunsch nach einem neuen Personalausweis. Dann übergab er die Passbilder. Der Angestellte bemängelte: "Keine Kopfbedeckung erlaubt!", woraufhin Pastafari Heinze auf die religiöse Notwendigkeit des Tragens eines Piratenhutes verwies, wie es im Evangelium
des Propheten niedergelegt ist. Einen entsprechenden Bescheid seines geistlichen Führers, Bruder Spaghettus, habe er dabei. Er habe sich auch extra einen neuen Hut gekauft. Sogar einen Bescheid des Finanzamtes, nach dem die Körperschaft von der Kirche des Fliegendes Spaghettimonster (FSM) Deutschland e.V. zu religiösen Zwecken anerkannt sei, könne er vorlegen.

Der Angestellte musste erst schlucken und dann mit seinem Vorgesetzten telefonieren. Dann wurde Pastafari Heinze eine Stock höher, ins Büro des Vorgesetzten gebeten.

Dieser Herr sagte, Heinze möge doch einen formlosen Antrag stellen, er bekäme dann Bescheid. Ausserdem kenne er, der Beamte, diese Religion nicht. Und in Bayern sei sie auch nicht als Kirche zugelassen. So würde es in seinem Ermessensspielraum liegen, den Antrag abzulehnen. Auch müsse man das Ministerium in München informieren. Pastafari Heinze verwies auf den Gesetzestext, der weder die Organisationsform einer anerkannte Religionsgemeinschaft, noch irgendwelche Bekanntheitsgrade verlangt, sondern lediglich " religiösen Gründe" zugrunde legt. Auf die Frage, ob Frauen mit Kopftüchern oder Männer mit Turbanen auch abgewiesen werden, wollte der Beamte allerdings nicht eingehen. Auch ein Hinweis auf die unlängst in Österreich und Deutschland bekanntgewordenen Fälle, in denen Pastafaris ihre Dokumente ausgehändigt bekamen, konnte ihn nicht umstimmen. Hartnäckiges Insistieren seitens des Gläubigen brachte ihn wenigstens dazu, eine korrekte Antragsaufnahme zuzulassen. "ARRRGGGHH!", so Heinzes Kommentar beim Verlassen der Amtsstube.

Heinze und sein Begleiter gingen daraufhin wieder zurück zum Sachbearbeiter, der freundlich alle notwendigen Papiere ausfüllte, kopierte und bearbeitete. Alle Quittungen wurden übergeben, die Pastafaris verabschiedeten sich nach einer Stunde mit einem "Schönen Feierabend!" und warten nun auf den neuen Personalausweis. Bei dem österreichische Glaubensbruder Nico Alm dauerte es drei Jahre, bei Bruder Spaghettus aus der Uckermark knapp drei Wochen. Aber wir sind hier in Bayern, da werden wir es in 3 Tagen schaffen. Es sei denn, die Postkutsche nach München wird überfallen. AAARRRRGGGHHH! ;-)



Fliegendes Spaghettimonster das DU bist im Himmel geheiligt werden deine Anhängsel
Deine Piraten kommen, Deine Soße geschehe, wie im Himmel so auch auf hoher See
Unser täglich Pasta gib uns heute,
Und vergib uns unsere Reiskugeln,
Wie auch wir vergeben unseren ... *hustnuschel*
Und führe uns nicht nach Kansas,
Sondern erlöse uns von den Kreationisten.
Denn dein ist die Soße
Und der Käse
Und die Fleischklößchen
In Ewigkeit

RAmen

Weiterführende Infos:
"Anerkennung des Fliegenden Spaghettimonsters"

und

"Heiliger Führerschein mit Nudelsieb"

Kontakt:
Frank Heinze
Giordano-Bruno-Stiftung, Regionalgruppe Mittelfranken